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Germain Chazes (Gerard Depardieu) hat nicht gerade eine schnelle Auffassungsgabe und tut sich auch mit Dingen wie Lesen oder Rechnen etwas schwer. Als Kind schon wurde er deswegen von seiner gleichgültigen, tyrannischen Mutter beschimpft und von Lehrern geplagt. Jetzt, als Mann in den besten Jahren, sieht sein Leben immer noch nicht viel besser aus: er lebt in einem Wohnwagen auf dem Grundstück seiner schrullig gewordenen, egoistischen Mutter, und weil er nicht so gut rechnen kann, wird er beim Gehalt von seinem Arbeitgeber übers Ohr gehauen. Doch dank seiner etwas tollpatschigen und einfältigen Offenheit, seiner Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft hat er gute Freunde, die zu ihm halten, und eine hübsche Freundin, die ihn liebt.

Eines Tages lernt er beim Taubenzählen im Park die zerbrechliche  alte Dame Margueritte kennen, die dort immer Tauben füttert und liest. Die beiden freunden sich an, da jeder dem anderen etwas Besonderes geben kann: Margueritte liest für ihr Leben gerne vor, und Germain wird zum immer begeisterteren Zuhörer. Nach und nach beginnt auch Germain, sich für Literatur und Sprache zu interessieren. Doch Marguerittes Sehkraft beginnt nachzulassen. Wenn sie nicht mehr selber lesen kann, wird Germain es schaffen, ihr vorzulesen?

Sehr persönlich lernt der Zuschauer die Hauptdarsteller kennen, insbesondere Germain und Margueritte. Gerard Depardieu spielt einfach fantastisch den langsamen Germain, der etwas schwer von Begriff ist, aber dafür mit einem umso größeren Herz ausgestattet ist. Trotz aller Hänseleien in seiner Jugend und seiner verbitterten Mutter, die ihm das Leben zusätzlich schwer macht, hat er sich seine  etwas Großherzigkeit und Gutmütigkeit bewahrt. Seine Naivität und seine Art, wie ein Kind einfach alles offen auszusprechen, was er denkt, bringt ihn immer wieder in witzige Situationen und in gefährliche Nähe von so manchem Fettnäpfchen.Gisèle Casadesus als freundliche, gebildete alte Dame ist ebenso überzeugend in ihrer Rolle als Lehrerin, die das verborgene Potential ihres Schülers erkennt und es sich zur Aufgabe macht, Germain in „das Labyrinth der Wörter“ einzuführen.

Der Film zeigt, dass es nie zu spät ist, mit dem Lernen anzufangen, und welche Überraschungen auf diejenigen warten, die offen für Neues sind. Außerdem zeigt er, wie wichtig das Zuhören ist. Und er erzählt herzerwärmend von Loyalität und Verzeihen, und davon, was wahre Freundschaft bedeutet. Unbedingt anschauen!