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Dies ist eine wirklich wunderbare, originelle und sehr magische Liebesgeschichte und genau das richtige für kalte, ungemütliche Wintertage!
Mexiko, 1910: die 16jährige Tita hat sich unsterblich in Pedro verliebt, der sie ebenso leidenschaftlich liebt. Doch Titas Mutter Elena, die despotisch über ihre kleine Farm und ihre drei Töchter herrscht, verbietet Tita die Hochzeit, denn nach alter Familientradition muss Tita als jüngste Tochter ihre Mutter im Alter pflegen. Pedro lässt sich von Elena überreden, Titas ältere Schwester Rosaura zu heiraten und auf die Farm zu ziehen, um Tita auf diese Weise trotz allem nahe zu sein.
Doch die unglückliche Tita gibt nicht so schnell auf. Sie wurde in der Küche der Farm geboren und aufgezogen und ist daher in die in die tiefsten Geheimnisse der Mexikanischen Kochkunst eingeweiht. Und so kocht sie ihre phantasievollen Gerichte für die Familie, die manchmal die merkwürdigsten angenehmen und unangenehmen Auswirkungen haben…

Die Charaktere des Buches sind detailliert und warmherzig gezeichnet und strahlen geradezu vor Leben. Die kulinarischen Köstlichkeiten, die Tita zubereitet, kann man beim Lesen geradezu schmecken. Im Zentrum dieser traurigen Liebesgeschichte stehen starke Frauenfiguren, die sich gegen veraltete Traditionen auflehnen müssen, um ihr Glück finden zu können. Während Titas Schwester Gertrudis sich offen den Sitten des Dorfes widersetzt und deswegen in Schimpf und Schande von der Farm verstoßen wird, ist Titas Kampf langwieriger und subtiler. Nicht mit offenem Widerstand, sondern mit Hartnäckigkeit, Ausdauer und ihren magischen Kochkünsten gelingt es ihr schließlich, ihr Glück doch noch zu wenden…

Jedes Kapitel enthält ein mexikanisches Rezept, das Tita im Verlauf des Kapitels kocht. Das Zubereiten des Essens ist Titas Kommunikationsmittel, denn über das Essen übertragen sich seltsamerweise ihre Stimmungen, ihre Sorgen und Freuden auf die Essenden, was manchmal zu merkwürdigen und  intensiven Nebenwirkungen, wie plötzlich aufflammende, heftige Lust, tiefe Traurigkeit, Verdauungsprobleme oder ähnlichem führt.
Die Beschreibungen der alten Rezepte lassen dem Leser oft das Wasser im Munde zusammenlaufen und machen Lust, auch mal wieder den Kochlöffel zu schwingen… Außerdem erlauben sie interessante Einblicke in die Lebensart auf einer mexikanischen Farm zu Beginn des letzten Jahrhunderts, angefangen bei Hochzeitsbräuchen und Familientraditionen bis hin zur Vorratshaltung und Herstellung von Cremes, Streichhölzern und vielem mehr.

Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen, vor allem die Magie des Essens und die erotische Verbindung zwischen kulinarischen Genüssen und der Liebe. Die Nebenwirkungen des Buchs, ein angenehmes Hungergefühl, ein warmes Kribbeln im Bauch und eine große Lust, mal wieder zu kochen, sind allerdings nicht zu unterschätzen!

Laura Esquivel – Bittersüße Schokolade