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zur Zeit bin ich fast jedes Wochenende auf meiner eigenen privaten Deutschlandtournee unterwegs, das vorletzte Wochenende war es Nürnberg und das letzte Freiburg. Manchmal tut es einfach so gut, ein bisschen raus zu kommen und mal was anderes zu sehen, gute Freunde zu treffen, ein bisschen Kultur zu genießen, …

A propos Kultur: leider habe ich an meinem 2. Tag in Nürnberg eine fette Sommergrippe bekommen, und der gemütliche Stadtbummel ist damit leider ausgefallen. Aber am ersten Tag war ich mit meiner Freundin im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Ich glaube, jeder Deutsche hat sich schon oft gefragt, wie das 3. Reich überhaupt möglich wurde -die breite Unterstützung in der Bevölkerung, der scheinbar geringe Widerstand. Aus unserer Perspektive 70 Jahre später ist es manchmal am einfachsten, nicht nur nazionalsozialistische Funktionäre sondern auch alle „Wegschauer“ und „Möglichmacher“ oder in manchen Fällen (ist mir in USA und Canada manchmal passiert, die Frage: „sind alle Deutschen Nazis?) gleich alle Deutschen pauschal zu verurteilen. Schließlich bleiben vom Geschichtsunterricht oft nur die großen Verbrechen und die großen politischen Dimensionen hängen.

Das Dokumentationszentrum leistet hier großartige Arbeit: der Fokus liegt auf allen Aspekten der nationalsozialistischen Propaganda: vom Personenkult um Hitler, über Architektur, Plakate, Radio, Filme, Sport und Volksfeste. Die beinahe allumfassende Propaganda-Maschinerie wird deutlich, und im Laufe des Museumsbesuches stellt sich heraus, dass das Ganze gar nicht so weit weg und fremd ist, wie man sich das in der Schule immer vorgestellt hat, dass damals nicht alle „Täter“ waren oder absichtlich weggeschaut haben, sondern dass die Propaganda einfach sehr effektiv und überzeugend war. Und dass man mit dem richtigen Medienaufwand die Massen mobilisieren kann ist nichts neues und kann man dieser Tage bei der Fussball-WM mal wieder sehr schön beobachten.

Das Thema ist nicht nur inhaltlich sehr gut aufgearbeitet, sondern auch museumspädagogisch: Die Texte haben eine ideale Länge, es gibt auch einige gut gemachte Filme und Interviews. Besonders beeindruckt haben mich auch die Fotos von Hitler, von den Menschenmassen u.ä., die mehr oder weniger in Lebensgröße an den Wänden hängen.

Eindrucksvoll ist auch die Architektur: ein Pfeil aus Stahl und Glas bohrt sich quer durch die protzige, halbfertige Architektur der Nationalsozialisten: wenn man durch die Ausstellung läuft, kann man links und rechts in das alte Backsteingebäude sehen, das nie vollendet wurde. Ein Denk-/Mahnmal für einen Größenwahnsinn, der an sich selbst zugrunde gegangen ist.

Hier gehts zur Museumshomepage.